Mitte des Monats hat Grafikspezialist Corel eine neue Version seines RAW-Entwicklers veröffentlicht. AfterShot Pro 3 ist ausschließlich als 64-Bit-Version für Windows 7 oder höher, für OS X ab Version 10.9 und für Fedora ab Version 19 sowie für Ubuntu ab Version 14.04 erhältlich. Als Vollversion kostet AfterShot Pro 3 knapp 90 Euro, Nutzer der Vorversion können das Update für knapp 70 Euro erwerben. Ein Abo-Modell existiert nicht und ist laut Corel, wie schon bei der Bildbearbeitung PaintShop Pro, auch nicht geplant. Nicht zuletzt, um sich positiv vom Mitbewerber Adobe abzusetzen.

Als Neuerungen bietet AfterShot Pro 3 nun die Möglichkeit, Schönheitsfehler direkt zu korrigieren (spart den Umweg über ein Bildbearbeitungsprogramm), eine verbesserte Funktion zur Wiederherstellung ausgebrannter Lichter, den direkten Einsatz von Wasserzeichen und einen Plug-In-Manager, der die Nutzung externe Zusatzmodule ermöglicht. Außerdem wirbt Corel damit, bei der Rohdatenkonvertierung viermal schneller zu sein als Adobe Lightroom. Dass Corel hierbei nicht zu viel verspricht, beweist der gestern veröffentlichte Test von digitalkamera.de, der AfterShot Pro 3 tatsächlich eine beeindruckende Verarbeitungsgeschwindigkeit bescheinigt.

Optisch und beim Aufbau hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig bis gar nichts geändert. Links befinden sich wie gehabt die Ordneransicht und die Leiste mit den Miniaturansichten, rechts der Bearbeiten-Bereich mit all seinen Werkzeugen und in der Mitte das derzeit geöffnete Foto. Menüs und Handhabung sind größtenteils selbsterklärend – insbesondere für Menschen, die bereits mit RAW-Konvertern gearbeitet haben. Aber auch Neulinge dürften sich schnell zurechtfinden.

AfterShotPro3

Bei der Entwicklung von RAW-Dateien zeigt sich einmal mehr, dass verschiedene Programme ein und dasselbe Foto sehr unterschiedlich interpretieren. Die folgenden Fotos habe ich jeweils mit Corel AfterShot Pro 3, mit Adobe Lightroom CC sowie mit DxO Optics Pro 10 entwickelt. Dabei habe ich nicht manuell eingegriffen, sondern lediglich die jeweiligen automatischen Basiskorrekturen aktiviert.

Die Ergebnisse sind wie so oft Geschmacksache. Insgesamt gefällt mir persönlich die Abstimmung von DxO Optics Pro 10 am besten. AfterShot Pro 3 und Lightroom CC versuchen nach meinem Empfinden zu viel aus dunklen Bereichen herauszuholen, was insbesondere bei Lightroom in einem zu hellen Bild endet. Und ja, mir ist klar, dass ich als Anwender da gegensteuern kann. Mir geht es hierbei ausschließlich um einen Vergleich der automatischen Basiskorrekturen.

Auch wenn ich inzwischen fast ausschließlich Lightroom nutze (ich liebe nun mal die VSCO-Presets), werde ich AfterShot Pro 3 in den kommenden Wochen und Monaten regelmäßig in der Praxis einsetzen. Insbesondere mit Blick auf die schnelle Stapelverarbeitung (die bei vielen Fotos durchaus Zeit spart) und dem Ausbessern von Schönheitsfehlern, da Lightroom die Messlatte in diesem Bereich ziemlich hoch legt. So hoch, dass ich Photoshop nur im Ausnahmefall nutze.

Außerdem bin ich gespannt, wie sich das Programm bei meinen inzwischen zahlreichen Kamera- und Objektivkombinationen schlägt. Wird es diese erkennen? Wird es automatisch die richtigen Profile für die Korrektur zuordnen? Und wieso finde ich so was tatsächlich spannend? Tief in meinem Herzen bin ich wohl doch ein Techniknerd …