Wie es sich für einen „Scream“-Fanboy gehört, saß ich direkt am 25. Februar im Kino, um mir „Scream 7“ in der Preview anzuschauen. Und verließ es enttäuscht. Sehr enttäuscht. Wieso weshalb warum, dazu komme ich später. Wichtig ist bis hierhin nur, dass ich dem Film im Heimkino eine zweite Chance geben wollte, um mir eine endgültige Meinung zu bilden. Und dieser Tag war heute, denn seit heute ist „Scream 7“ als Kauf-VoD verfügbar. Also gab ich dem Film nach meinem Feierabend um Punkt 18 Uhr seine versprochene zweite Chance. Ob er diese nutzen konnte, verrate ich euch … jetzt.
Worum geht’s
Sidney (Neve Campbell) hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebt mit ihrem Mann Mark (Joel McHale) und ihren Töchtern in der beschaulichen Kleinstadt Pine Grove. Doch sie kann ihrer Vergangenheit nicht entkommen. Nicht nur belasten die Geschehnisse von damals die Beziehung zu ihrer 17-jährigen Tochter Tatum (Isabel May), auch taucht plötzlich ein neuer Killer auf, der sich als Stu Macher (Matthew Lillard) zu erkennen gibt. Gemeinsam mit Gale (Courteney Cox) versucht Sidney herauszufinden, ob Stu wirklich noch am Leben sein könnte – oder ob nicht doch jemand anderes hinter der neuen Mordserie steckt …
Meine Meinung
Nach dem Kinobesuch hatte ich vier wesentliche Punkte an „Scream 7“ zu kritisieren:
1. Das viel zu dunkle Bild, welches so wirkte, als hätten die Macher während der Dreharbeiten vergessen, die Beleuchtung einzuschalten. Stellenweise war kaum zu erkennen, was gerade vor sich ging – was nicht nur an der Atmosphäre kratzte, sondern den Film auch unfassbar billig aussehen ließ.
2. Den Ton, der mich absolut ratlos zurückließ. Stellenweise schienen die Hintergrundgeräusche zu fehlen, dann wieder die Hintergrundmusik. Es war, als würden eine oder mehrere Tonspuren fehlen, was insbesondere den Tötungsszenen jegliche Spannung und Dramatik nahm.
3. Die fehlende Meta-Ebene, die eigentlich Bestandteil eines jeden „Scream“-Films ist. Letztlich ist die Reihe nun endgültig zu dem geworden, was sie ursprünglich so genüsslich dekonstruiert hat: zu einem gewöhnlichen Slasher-Franchise.
4. Die Auflösung, die hanebüchener und dümmer nicht hätte ausfallen können. Meine Güte, was für ein armseliger Killer-Reveal.
Ich war im Februar schon kurz davor, eine Review zu schreiben, doch je länger ich über den Film nachdachte, desto unsicherer wurde ich mir, ob die ersten beiden Punkte tatsächlich so von den Machern beabsichtigt waren, oder ob nicht eventuell etwas bei der Kinovorstellung schiefgelaufen sein könnte. Also entschied ich mich zu warten. Auf heute. Und was soll ich sagen: Das Kino hat damals tatsächlich Mist gebaut. Oder der Film wurde fehlerhaft ausgeliefert. So oder so, im Heimkino ist der Film eben ein ganz anderes Erlebnis gewesen. Das Bild sieht nun so aus, wie ich es von einem Kinofilm erwarte. Und der Ton liefert die Dynamik, die ein Film wie „Scream 7“ benötigt, um in den entsprechenden Szenen anständig zu wirken. Ganz ehrlich: Was ich eben gesehen habe, war ein ganz anderer Film. Na gut, fast …
… denn die anderen beiden Kritikpunkte bleiben bestehen. Wobei sie mich heute nicht mehr ganz so sehr gestört haben wie noch im Kino. Was letztlich daran liegen wird, dass ich dieses Mal mit ganz anderen Erwartungen an den Film herangegangen bin. Dennoch bleibt insbesondere die finale Auflösung ein Scherz. Und leider kein guter. Sowohl die Identität als auch die Motivation des Killers (oder der Killer?) ist mit Abstand der Tiefpunkt der gesamten Reihe. Was wirklich schade ist, da nach 45 Minuten ein Twist kommt, der den Film in eine richtig coole Richtung hätte lenken können. Leider haben die Macher jedoch beschlossen, diesen Weg, der ursprünglich schon für „Scream 3“ vorgesehen war, nicht weiter zu verfolgen. Bedauerlich und unverständlich.
Generell ist mir wieder aufgefallen, dass „Scream 7“ ein Paradebeispiel für vertane Chancen ist. Exemplarisch sei hier die Eröffnungsszene genannt, die zwar einerseits ganz cool ist, andererseits aber viel zu wenig aus dem Szenario rausholt. In dieser fährt ein True-Crime-Junkie mit seiner Freundin ins Stu-Macher-Haus, um dort eine inszenierte Horror-Nacht zu verbringen – wo beide dann von einem echten Ghostface-Killer ermordet werden. Wie schön wäre es gewesen, wenn Ghostface hier noch mal zum Rundumschlag gegen den True-Crime-Boom ausgeholt hätte. Wenn er seine Opfer damit konfrontiert hätte, wie pietätlos es ist, sich an echten Morden zu ergötzen und diese als pure Unterhaltung zu konsumieren. Passiert leider alles nicht. Macht aber trotzdem Spaß. Nicht zuletzt, da Ghostface in dieser Szene unerwartet sadistisch zu Werke geht.
Apropos sadistisch: Die Kills sind relativ einfallsreich und für eine 16er-Freigabe überraschend saftig. Insgesamt würde ich „Scream 7“ als den bislang härtesten Film der Reihe einstufen – auch wenn mindestens einer der Morde etwas deplatziert wirkt und so weit drüber ist, dass er besser in einen „Freitag, der 13.“-Film gepasst hätte.
Zu guter Letzt muss möchte ich natürlich noch Neve Campbell loben, die für mich immer das ultimative Final Girl sein wird. Und die definitiv noch lange nicht zu alt dafür ist.
Letztlich bleibe ich dabei, dass „Scream 7“ gemeinsam mit „Scream 3“ das Schlusslicht der Reihe bildet. Dennoch bin ich wirklich froh, dem Film eine zweite Chance gegeben zu haben. Denn ein unterhaltsamer Slasher ist „Scream 7“ zweifellos.
Meine Wertung: 7/10