Ihr habt es vielleicht mitbekommen: Ich habe dieses Jahr an einem MeetUp Meetup Meet-up Mee… verdammt, wie schreibt man das eigentlich richtig? Egal. Ich habe an einem Treffen von Menschen teilgenommen, die sich mit Fotografie beschäftigen. Und zwar nicht an irgendeinem Treffen, sondern an dem von Andreas Jorns organisierten Treffen auf Usedom.

Wer mich kennt, weiß, dass diese Teilnahme für mich durchaus ungewöhnlich ist. Ich fotografiere eher „für mich“ und halte mich aus der „Szene“ weitestgehend raus. Dass ich dennoch nach Usedom gefahren bin (bzw. gefahren wurde – danke noch mal fürs Mitnehmen, liebe Ilka und Susanne!), liegt ausschließlich in der Person Andreas Jorns begründet.

Es ist glaube ich kein Geheimnis, dass ich nicht nur Andreas‘ Fotos, sondern insbesondere auch seine Einstellung zur Fotografie sehr schätze. Dementsprechend war meine Hoffnung, auf Usedom Menschen kennenzulernen, die, dank Andreas als gemeinsamen Nenner, auf eine gewisse Art ähnlich ticken und bei der Fotografie ähnliche Prioritäten setzen. Die sich nicht ausschließlich über ihre Kameraausrüstung definieren. Oder über die „berühmten“ Personen, mit denen sie schon zusammengearbeitet haben. Die sich über das austauschen möchten, was Fotografie für sie bedeutet und ausmacht. Und darüber, was die Fotografie in den Menschen vor und hinter der Kamera auslöst.

Was soll ich sagen: Meine Hoffnung wurde erfüllt. Obwohl ich, außer meiner Fahrgemeinschaft und Mikki, die ich selbst schon mal fotografieren durfte, niemanden kannte und mich gegenüber Fremden aus Unsicherheit oftmals „dezent“ debil verhalte, war es ein Leichtes, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Und obwohl man sich nicht kannte, gingen einige dieser Gespräche über den typischen Smalltalk (für den ich absolut nicht geschaffen bin) deutlich hinaus und wurden zuweilen durchaus sehr persönlich – was ich einfach nur großartig fand!

Zu meiner großen Überraschung kamen übrigens relativ viele Menschen, die ich auf Usedom kennenlernen durfte, aus Kiel oder der näheren Umgebung. Zum Beispiel Anne, die hier in Kiel im Januar gemeinsam mit Erik Schlicksbier ein Studio eröffnet, für das ich den beiden ganz heftig die Daumen drücke. Da sieht man mal wieder, wie klein die Welt doch ist …

Hat sich die Teilnahme am Treffen für mich also gelohnt? Definitiv! Werde ich nächstes Jahr wieder teilnehmen? Ganz ehrlich: Ich weiß es noch nicht. Denn wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. So auch hier. Wobei ich diesen, und das betone ich an dieser Stelle ausdrücklich, nicht der Organisation, sondern ausschließlich mir selbst anlaste.

Um die folgenden Zeilen zu verstehen, solltet ihr zwei Dinge über mich wissen:

1. Je mehr Menschen sich an einem Gespräch beteiligen, desto ruhiger werde ich. Das wird dann oft als Desinteresse oder Langeweile fehlinterpretiert, doch genau das Gegenteil ist der Fall: Ich versuche lediglich, all die Eindrücke zu verarbeiten und nichts zu verpassen. Und manchmal, je nach Thema, nicht dumm aufzufallen.

2. Ich trinke keinen Alkohol. Ich habe noch nie Alkohol getrunken. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil mir alkoholische Getränke schlicht nicht schmecken.

Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, macht mich diese Kombination zum Renner auf jeder Party.

Wieso ich das erzähle? Weil abends selbstverständlich auch getrunken und gefeiert wurde. Und dabei lief es dann leider doch wieder so ab, wie ich es aus meinem Leben nicht anders kenne. Es wurden die ersten Runden Bier bestellt und irgendwann kamen die Fragen, vor denen es mir inzwischen graut: „Möchtest du auch ein Bier?“ gefolgt von „Trinkst du keinen Alkohol?“. Die Reaktionen auf meine Antworten fielen erwartungsgemäß aus. Die meisten Menschen nehmen Nichttrinker inzwischen glücklicherweise einfach zur Kenntnis, doch leider fielen auch dieses Mal die Sätze „Was stimmt mit dir nicht?“, „Das ist aber ungesellig.“ und, mein persönlicher Favorit, „Dann gehörst du hier nicht her.“.

Das Gute ist: Ich weiß (bzw. hoffe aufgrund des Tonfalls zu wissen), dass solche Äußerungen nicht ernst gemeint, sondern als spaßige Bemerkungen gedacht sind. Das weniger Gute jedoch ist, dass sie trotzdem etwas in mir auslösen. Weil mich solche Sprüche seit über 20 Jahren begleiten. Und wenn du dir über 20 Jahre lang immer wieder Bemerkungen anhören musst, die darauf abzielen, dass du nicht normal bist und nicht dazugehörst, weil du keinen Alkohol trinkst, dann geht das nicht spurlos an dir vorbei. Oder sagen wir lieber: Es ist in all den Jahren an mir nicht spurlos vorbeigegangen.

Dementsprechend habe ich an den anderen beiden Abenden auf die Feier verzichtet und mich nach dem Essen und den Gesprächen im Restaurant direkt auf mein Zimmer zurückgezogen. Was wenig überraschend zur Folge hatte, dass mir an den Tagen danach ein wenig der Anschluss fehlte.

Glücklicherweise war das aber, vom Gefühl des Nichtdazugehörens mal abgesehen, nicht weiter tragisch. Zum einen, weil überall inner- und außerhalb des Hotels kontaktfreudige, fotografiebegeisterte Menschen rumliefen. Und zum anderen, weil das Baltic Hotel mit seiner Therme perfekt zum Entspannen einlud und sich der unendlich scheinende Strand von Usedom im Zweifel auch alleine perfekt für lange Spaziergänge eignet. Während dieser Spaziergänge sind dann auch die Fotos entstanden, die ihr hier seht.

Hmm, während ich diese Zeilen schreibe, fallen mir immer wieder unzählige Gespräche ein, die es noch fortzusetzen gilt. Zum Beispiel würde ich gerne erfahren, welche weiteren Erfahrungen Thomas beim Fotografieren von Sternenkindern gesammelt hat. Welche falschen Entscheidungen Josh in seinem Leben noch so getroffen hat. Welche Science-Fiction- und Fantasy-Filme Anita und Joachim geschaut haben. Ob Robin ihn immer noch rausholen und mir zeigen möchte (wen oder was, überlasse ich jetzt eurer Fantasie). Und und und …

Wenn ich es mir recht überlege, komme ich um eine Teilnahme nächstes Jahr wohl nicht herum. Bis dahin fällt mir ja vielleicht auch noch etwas für abends ein … 😉